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Wandfries

Im Schuljahr '98-'99 haben Schülerinnen und Schüler der 11. Klassen unter der Leitung von Herrn Dieter Weindler (†) ein "Fries" entworfen, das sich am Werk Victor Vaserely's orientiert !

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Entstehungsgeschichte

Überlegungen zur Architektur des Gebäudes

Das Gebäude des Max-Born-Gymnasiums ist, wie viele andere Schulhausbauten aus den 60er Jahren auch ein reiner Zweckbau, d.h., die Form des Gebäudes ist der Funktion untergeordnet. Klare Strukturierungen durch quaderförmige Gebäudeteile werden in ihrer Einfachheit und Schlichtheit durch schmucklosen Sichtbeton unterstrichen; die rechteckigen Fensteröffnungen gliedern die einzelnen Wände. Die Lage der verschiedenen Baukörper zueinander gibt dem Gesamtkomplex eine eigenständige und eigenwillige Form, die erst bei näherer Betrachtung und architektonischen Gestaltungswillen klar zu umreißen vermag. Auch ein reiner Zweckbau kann in seiner Gesamtanlage interessante Details, wie Verschachtelungen und Überschneidungen, Gegensätze von Groß und Klein, Hervortreten und Zurückweisen von Baukörpern, aufweisen. In dieses bauliche Gesamtkonzept sollte nun eine bildnerische Gestaltung, in Form eines Frieses über den Haupteingang, eingefügt werden, die sowohl mit der Architektur als auch mit der eigentlichen Funktion des Hauses in Einklang zu bringen war.

Überlegungen zur bildnerischen Gestaltung des Frieses

Das bereits vorhandene Bild, durch malen nach Musik entstanden, war sehr dynamisch, aber ohne Schwerpunkt ausgelegt; es galt nun eine andere Konzeption zu finden. Eigene Überlegungen und Anregungen aus der Kunstgeschichte wurden in Gedanken durchgespielt und z.T. wieder verworfen, da das Format 13 m x 1,35 m klare Grenzen setzte. Figürliche Darstellungen, im Sinne von Oskar Schlemmers "Mensch und Kunstfigur" und Marcel Duchamps "Akt die Treppe herabsteigend", wären in bezug auf das Format möglich gewesen, hätten das Thema "Schule" aber nur am Rande berührt. Schule ist ein osmotischer Zustand, bestehend aus vielen Komponenten, wie z.B. Schulleitung, Lehrer, Schüler, Eltern und Öffentlichkeit, pulsierend und vielschichtig miteinander verwoben. Keinem anderen Künstler ist es gelungen, diesen Zustand der Vielschichtigkeit und Vieldeutigkeit mit einfachsten abstrakten Formen so überzeugend darzustellen, wie Victor Vasarely.

Gedanken zu Vasarely und der OP-ART

Victor Vasarely wurde am 9.4.1908 in Pécs (Ungarn) geboren und starb im März 1997 in Paris; er ist einer der Mitbegründer und Hauptvertreter der OP-ART. Vasarely besuchte 1929 die Mühley-Schule in Budapest, in der er nach den Prinzipien des Bauhauses unterrichtet wurde. Das wesentliche der von Vasarely geprägten Richtung der OP-ART ist die Durchbrechung des Flächencharakters eines Bildes durch Erzeugung plastisch-räumlicher Erscheinungen ohne Anwendung zentralperspektivischer Konstruktionsmittel. Grundelement von Vasarelys Arbeiten ist die sogenannte "uniqué plastique", die plastische Einheit; dieser Baustein ist austauschbar, beliebig oft zu vervielfältigen und erlaubt unbegrenzte Kombinationsmöglichkeiten. Gestaltendes Moment ist dabei, außer der geometrischen Form, die Farbe, dass nie zwei Einheiten identisch sind. Ausgehend von wenigen Grundfarben, entwickelte Vasarely das reiche Spektrum seiner Farbtonleiter, deren Elemente im Zusammenspiel auf der Netzhaut des menschlichen Auges ein Flimmern entstehen lassen können. Ziel ist das experimentieren mit den Gesetzen der Wahrnehmung, das Spiel mit der Trägheit des Auges, die Irritation des Betrachters. Optische Täuschungen sind alltägliche Fehlinterpretationen, die aufgrund des Erfahrungswissens vom Verstand teilweise korrigiert werden. In der OP-ART werden diese Phänomene bewusst als künstlerische Mittel eingesetzt.

Der Entwurf

Nachdem in den einschlägigen Kunstgeschichtsbüchern nur sehr wenige passende Bildbeispiele von Vasarelys zu finden waren, ging der Weg über das "Museum der dritten Dimension" in Dinkelsbühl zu einer Fachbuchhandlung in München, wo man fündig wurde. Mit Hilfe von Fotokopien gingen nun die Schüler der Klassen 11a/b an die Arbeit, farbige Entwürfe im Maßstab 1:10 zu erstellen. Dabei stellte sich heraus, dass das schwierige Format beträchtliche Gestaltungshürden in sich barg. Da der Haupteingang dreigeteilt ist, konnte nach Findung einer geeigneten Zentralfigur die Komposition des Gesamtbildes mit Hilfe der Achsensymmetrie erstellt werden. Zahllose Möglichkeiten, sowohl in Form als auch in Farbe, wurden durchgespielt. Wegen des enormen Arbeitsaufwandes schon im Entwurfsstadium und der beträchtlichen Ausmaße der Ausführung, sollte das gesamte Werk natürlich keine Eintagsfliege werden. Nach ausführlichen Besprechungen mit Frau Loos einigte man sich schließlich auf einen Entwurf.

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Die Ausührung

Schon beim Grundieren der Spanplatten stellte sich heraus, das dieses Projekt als sog. "Gemeinschaftsarbeit" nicht zu realisieren war. Das übertragen des Entwurfs auf die reale Größe der fertigen Ausführung erforderte genaueste Konstruktion; schon die geringste Zeichenungenauigkeit führte zu vehementen Fehlern. Insgesamt mussten 520 Kästchen zweimal gemalt wurden, da die Farbe nicht sofort deckte. Mit der Akkuratesse der Ausführung steht und fällt die optische Gesamtwirkung des Bildes. Der Malprozess hatte durchaus kontemplativen Charakter und erforderte ein hohes Maß an Konzentration, das nur in einer kleinen Gruppe erzielt werden konnte.

An dieser Stelle möchte ich den Schülerinnen Corinna Schmidt und Lena Hornuff und den Schülern Christian Held, Andreas Higeli und Michael Schwienbacher ganz herzlich für ihren enormen Einsatz und ihre unermüdliche Ausdauer danken, die zusätzlich zu ihrer 3-tägigen Unterrichtsbefreiung so manchen Nachmittag und sogar Feiertage geopfert haben, um das ganze Unternehmen zu einem guten Abschluss zu bringen. Das Arbeitsklima war super!

Zum Betrachten des Bildes

Die Zentralfigur kann in mindestens drei verschiedene Sichtweisen wahrgenommen werden, die immer wieder zu kippen scheinen. Man nennt diese Darstellung auch Kippfiguren.

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1.
Kleiner Würfel liegt oder hängt in einer Raumecke
2. Kleiner Würfel ist aus einem großen Wurfel herausgeschnitten
3. Kleiner Würfel steht mit der Spitze auf einem großen Würfel, der wiederum selbst auf der Spitze steht.

 

Die übrigen Figurationen können ebenfalls immer mehrdeutig gesehen werden. Unterstützt werden die einzelnen Lesarten durch unterschiedliche Farbabstufung.
Eine Interpretation des Bildes ist dem geneigten Betrachter überlassen.

Fazit: Es hat sehr viel Spaß gemacht!

Quelle: Jahresbericht '98-99', Autor Herr Dieter Weindler.