Die Besinnungstage 2006
6 Tage bis Weihnachten. Ein paar von uns hatten gerade die letzte
Klausur vor den Weihnachtsferien geschrieben. Uns allen stand der
Stress der letzten Wochen in das Gesicht geschrieben. Die erste Klausurzeit
war endlich zu Ende. Und um den Stress dieser Zeit wieder abzubauen,
trafen sich 20 Schüler aus der Kollegstufe am Montag, um nach
Fürstenried in das Schulpastoralezentrum zu fahren und dort die
Besinnungstage zu verbringen.
Besinnungstage? In der Einführungsrunde merkte man, dass keiner
sich darunter wirklich etwas vorstellen konnte. Wir suchten uns auf
demokratische Weise also zwei Themenbereiche aus, welche wir im Laufe
der Besinnungstage behandeln würden. Spannend wurde es gleich
bei unserem ersten „Spiel“: wir schätzten uns gegenseitig
in verschiedenen Bereichen ein und erfuhren so viele neue Sachen über
Mitschüler, mit denen man davor eigentlich gar nicht so viel
zu tun hatte. Es machte wirklich Spaß und schnell war klar:
Wir waren eine gute Gruppe. Wir konnten gut miteinander arbeiten und
alle brachten die nötige Neugier, Motivation und Ernsthaftigkeit
mit. Nach einem wirklich guten Essen gab es die Möglichkeit an
der Abendbesinnung in der Krypta teilzunehmen. Im Schneidersitz sitzen
und „ohm“ sagen…ja so ungefähr. Natürlich
hat sich „Abendbesinnung“ erstmal merkwürdig angehört,
doch über etwas, was man nicht kennt, sollte man nicht urteilen.
Also war für mich und ein paar Andere klar, dass man sich das
anschauen sollte. Wie zu erwarten, hatte es etwas mit Kerzenlichtern,
ruhiger Musik und mit sich selbst zu tun. Wenn man der Sache gegenüber
etwas aufgeschlossen ist, kann man davon allerdings auch eine Menge
mitnehmen, nämlich wie wichtig es ist, sich selbst Zeit zu nehmen,
was im Alltag ziemlich untergeht. Dass wir als Tabu-Profis von den
Besinnungstagen zurückkamen, lag an der Abendgestaltung. Gegen
Pfand konnten zahlreiche Spiele ausgeliehen werden. Dieses Angebot
wurde nicht nur in den geräumigen Zimmern, sondern auch im Kaminzimmer
genutzt. Der Spielraum mit Tischtennisplatten und Kickern fand ebenfalls
seine Verwendung.
White Christmas und Nelly Furtado ertönten am nächsten Morgen
als „Weckmusik“. Nach dem Frühstück bestand
noch einmal die Möglichkeit in einer Morgenbesinnung zur Ruhe
zu kommen.
Im weiteren Programm stand mehrmals täglich eine Sitzung mit
unserer Gruppenleiterin an. Nachdem nicht alle von uns eine Pfadfinderausbildung
genossen haben, war es für manche nicht sehr leicht, sich den
Weg zu unserem Tagungsraum durch das winklige Schloss zu bahnen. In
der ersten Runde ging es um das Einschätzen von Anderen. Das
Ergebnis war für manche recht überraschend. Mut zu haben
und jemanden auch einmal auf seine unangenehmen Charaktereigenschaften
aufmerksam zu machen war nicht immer leicht, doch von allen wurden
die Kritikpunkte als Chance empfunden. Jeder wollte das Angebot nutzen,
seine Wirkung auf andere zu erfahren. Dem Thema „Wie sehe ich
mich, wie sehen mich die Anderen?“ ist der ganze Dienstag gewidmet
worden und somit 5 Stunden.
Die letzten beiden Stunden am Mittwoch Vormittag sollten sich mit
dem Thema „Liebe, Freundschaft, Partnerschaft und Sexualität“
auseinander setzen. Nach einer kleinen Musikeinführung und Kreativphase,
in der jeder ein Gedicht verfassen sollte, ging es darum in Kleingruppen
verschiedene Thesen zu diesem Thema zu diskutieren. Interessant war
es dabei vor allem, die weiblichen und männlichen Standpunkte
zu vergleichen. Auch wenn das Thema erst von unseren männlichen
Teilnehmern belächelt wurde, denke ich, dass jeder etwas für
sich mitnehmen konnte.
Man sollte meinen, dass Kollegstufler für gewisse Spiele zu alt
wären, allerdings konnten alle an den Auflockerungsspielen Gefallen
finden.
Nachdem wir unser Feedback an unsere Gruppenleiterin abgegeben hatten,
waren wir fürs Erste „fertig besonnen“.
Letztendlich haben diese knapp 3 Tage ihren Zweck erfüllt, sich
eine Auszeit zu nehmen und den Zusammenhalt der Gruppe zu fördern,
aber nicht nur das, es wurde ein Anstoß gegeben, sich über
essentielle Fragen des Lebens Gedanken zu machen. Fragen, die wir
nicht im alltäglichen Leben brauchen aber Fragen, die uns auf
unserem Weg hilfreich begleiten, um nicht die Orientierung zu verlieren.
Es ist schön, dass die Schule diese Möglichkeit anbietet,
über den Unterrichtsstoff hinaus etwas Wichtiges zu lernen. Es
waren in jeder Hinsicht gelungene Tage, auch wenn um 19:00 Uhr die
Pforten nach draußen geschlossen wurden und der Alkoholkonsum
untersagt war.
Friederike Zuber-Goos, Valeria Fröhlich, Carolin Gulz, K1