Auf den Spuren des Doktor Faustus
Die Kollegiatinnen des LK Deutsch, Nadine Heske und Daniela Neckar, berichten
darüber:
| Anfang
des Schuljahres 2000/01 machte uns Frau Böck, die Leiterin des LK Deutsch
K I, den Vorschlag, mit der gesamten Jahrgangsstufe eine Kursfahrt nach
Knittlingen und Maulbronn zu machen. Sie und die Leiter der Deutsch-Grundkurse,
Frau Leisgang - Klenk, Herr Bucher und Herr Meier, wollten dort mit uns
das Faust-Museum und das ehemalige Kloster der Zisterziensermönche besichtigen.
Viele der Kollegiaten zeigten sich begeistert über den unterrichtsfreien
Tag und schließlich ging’s am 13. März auf in Richtung Baden - Württemberg. Gegen 6.45 Uhr sollten wir uns vor dem Max-Born-Gymnasium einfinden, um planmäßig um 7.oo Uhr unsere Exkursion mit dem Bus zu beginnen... Nach einer vierstündigen Fahrt erreichten wir endlich (!) Maulbronn, wo uns bereits ein Fremdenführer erwartete, der unsere Gruppe fachkundig durch die mehrere hundert Jahre alten Gemäuer des ehemaligen Klosters leitete. Er berichtete uns viel Interessantes über den Alltag der damals dort lebenden Mönche und Laienbrüder: ihre stundenlangen Gebete, die harte Arbeit und das für heutige Zeit unvorstellbare Klosterleben. So konnten wir beispielsweise nachvollziehen, wie kalt es im Winter für die Mönche in ihren spärlichen Kutten gewesen sein muss, denn es zog ununterbrochen ein eiskalter Wind durch die offenen Gänge und Räume der Anlage. |
Nach der ca. einstündigen Führung begaben sich die verschiedenen Deutschkurse in die „Klosterpost“, eines der besten Restaurants am Platz, wo wir ein äußerst schmackhaftes Mittagessen zu uns nahmen. Gegen 14.00 Uhr setzten wir unseren Ausflug fort und fuhren mit dem Bus weiter in das ungefähr fünf Kilometer entfernte Knittlingen: Dort soll der historische Johann Georg Faust geboren worden sein. Anlässlich seines 500. Geburtstages richteten die Knittlinger 1980 ein Museum zu seinem Gedenken ein, welches wir besuchten, um unser Wissen über die Verarbeitung des Faust-Stoffes im Laufe der Jahrhunderte noch zu festigen. Für einen geradezu lächerlichen Eintrittspreis von 1.00 DM pro Person konnten wir uns die mit ungeheurem Aufwand gesammelten Dokumente anschauen. Auf drei Etagen hat man die Möglichkeit, sich eingehend über den historischen Faust, die Legenden um seine Person, über Goethes zweiteilige Tragödie und die Verarbeitung des Themas in den modernen Medien sowie in Musik und Theater zu informieren. Man findet dort unveröffentlichte Handschriften Goethes und anderes interessantes geschichtliches Material. Nachdem auch diese Besichtigung beendet war, fuhren wir noch einmal zurück nach Maulbronn, um uns das „Seminar“ des Klosters zeigen zu lassen. Dies ist ein Internat für ca. 40 Gymnasiasten der neunten und zehnten Klasse. Die Schülerinnen und Schüler müssen musikalisches Talent vorweisen und ein oder mehrere Instrumente spielen, um in diese Schule aufgenommen zu werden, welche übrigens auch schon von Hesse, Hölderlin und Kepler besucht wurde. Für ganz emsige Leseratten können wir Hermann Hesses „Unterm Rad“ empfehlen, in welcher er sein Leben an der Klosterschule Maulbronn verarbeitet hat. Gegen 17.00 Uhr traten wir schließlich die Heimreise an und erreichten wiederum vier Stunden später Germering. Am darauf folgenden Tag besprachen wir den Ausflug im Unterricht. Dabei stellten die meisten Schüler fest, dass sich der Aufwand dafür auf Grund der langen, anstrengenden Anreise und des kurzen Aufenthalts in den jeweiligen Attraktionen nicht lohnt. Schulklassen, die weiter als 150 km von Knittlingen entfernt sind, sollten sich dieses Vorhaben also gründlichst überlegen. |