Schülerakademie 2002

 

 
"Man kann nicht nicht kommunizieren!"

 

Das berühmte erste Axiom Paul Watzlawicks war Titel und Thema eines Kurses der Schülerakademie Oberbayern-West im Schuljahr 2001/2002.

Neun Schülerinnen und Schüler aus vier verschiedenen Schulorten trafen sich einmal im Monat, um sich jeweils einen Nachmittag lang mit den Tücken menschlicher Kommunikation zu beschäftigen.

Im zweiten Halbjahr suchten wir eine Antwort auf die banale, aber bedeutsame Schülerfrage:

Warum ist es so schwer, ein gutes Referat zu halten?
  Referate sind wichtig, Referate sind sinnvoll;
das wollte niemand von uns bestreiten:
 
Sie leisten Informationsdienste für die Lerngruppe.  
Sie trainieren rhetorische Fähigkeiten.
 
Sie zwingen zu organisierter Vorbereitung.
 
Sie dienen als mündliche Leistungsnachweise..  


Woran man ein gutes Referat erkennt, darüber waren wir uns auch ziemlich schnell einig:
  Ein wirklich gutes Referat ...  
  ... gibt dem Redner das Gefühl, seine Sache zu beherrschen,  
  ... fesselt und unterhält die Zuhörer der Lerngruppe,
 
  ... überzeugt auch den betreuenden Lehrer und ...
 
  ... bringt deshalb eine gute Note.  

Hindernisse auf dem Weg zu einem guten Referat fanden wir genügend: mangelndes Sachinteresse, panische Vorbereitungshektik, ungeübtes Auftreten, fehlende Visualisierung, lähmende Sprechangst, störende äußere Umstände, fatale Selbstbilder ...

Sehr rasch tauchte dabei ein typisches Hindernis in Gestalt einer Person auf: der Lehrer. - Lehrer, das stellte sich immer deutlicher heraus, verhindern ungewollt und unbedacht die guten Referate, die sie doch eigentlich hören wollen.

Wir haben deshalb auch nach Antworten auf eine neue Frage gesucht:

 

Was müssen Lehrer wissen, wenn sie gute Referate wollen?  

Das ist unsere Antwort:

 

1. Das Interesse am Thema beflügelt die Qualität.
Wenn Schüler ihr Thema selber vorschlagen oder wählen dürfen,
ist auch ihr Interesse an der Sache am größten.

2. Enge Vorstellungen des Lehrers erzeugen schematische Monotonie.
Freiheiten in der Gestaltung und wenige, aber klare Vorgaben zu Anspruch und Inhalt fördern Kreativität und Unterhaltungswert des Referats.

3. Der Schüler hält das Referat, nicht der Lehrer.
Unterbrechungen des Lehrers für Kommentare und Anmerkungen stören den Fluss des Referats und beeinträchtigen den Gesamteindruck.
Für Fragen und Erläuterungen ist am Schluss des Referats Zeit.

4. Was dem Lehrer gefällt, gefällt Schülern noch lange nicht.
Eine interessierte Klasse zeugt vom Wert des Referats. Auch Fragen spiegeln das geweckte Interesse wider und sind kein schlechtes Zeichen.

5. Ein Referat ist eine komplexe Leistung.
Informationswert, rhetorisches Verhalten und engagiertes Sachinteresse des Sprechers sind gleichrangige Kriterien der Bewertung.

6. Eine Folie macht noch keinen Einser.
Der Einsatz von audiovisuellen Medien wird oft überbewertet. Eine faszinierende Erzählweise, eine differenzierte Analyse sind mehr wert als eine schlampige Folie. Auch von einer sachlich flachen Powerpoint-Präsentation sollten sich Lehrer nicht andächtig einschüchtern lassen.

7. Kritik ist erwünscht.
Spöttische Kritik oder erbarmungsloses Niedermachen vor dem Publikum wirken nicht nur auf Schüler deprimierend und demotivierend. Ausgeglichene, sachlich differenzierte Kritik hilft weiter, motiviert zur Verbesserung und begründet nachvollziehbar die Note.

 


Schöne Sommerferien wünschen die Kursteilnehmer

Thordis von Maltitz
Nina Schneider vom Otto-von-Taube-Gymnasium Gauting,

Anna-Luisa Müller vom Dominikus-Zimmermann-Gymnasium
Andrea Rabe Landsberg,

Konrad Schindler vom Viscardi-Gymnasium Fürstenfeldbruck,

Irene Gasser,
Sonja Gratza,
Johanna Stuckenschneider
Hubertus Weber vom Max-Born-Gymnasium Germering
Kursleiter Werner Müller vom Max-Born-Gymnasium Germering