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Niemand darf dir weh tun! - Selbstbehauptung und Selbstverteidigung WO-DE Sicherheitsschulung am Max-Born-Gymnasium Unter dem Motto "Selbstbehauptung und Selbstverteidigung" veranstaltete der Elternbeirat des Max-Born-Gymnasiums ein Seminar für Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 16 Jahren. Angesichts der wachsenden Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft, sollten Kinder in diesem Alter wissen, was sie angesichts von verschiedenen Gefahrensituationen tun können, wie sie sich im Extremfall verteidigen können. Eine Problemstellung die Jungen und Mädchen gleichermaßen betrifft. Denn laut Statistik des Landeskriminalamtes sind 5 % der Opfer von Gewaltverbrechen weiblich, 95 % männlich. Auch Jungen werden nicht als Kämpfer geboren. Es gilt stark zu sein, ohne zu provozieren. Selbstbewußt zu sein, ohne arrogant zu werden. So ist das Ziel des Seminars "die Bereitschaft und die Fähigkeit zu fördern, selbstsicherer aufzutreten, sich selbst besser zu behaupten und Gefahren zu erkennen, respektive zu vermeiden. Weiterhin werden einfache, äußerst effektive Verteidigungstechniken vermittelt." An Kosten fielen für vier Seminarnachmittage von 14:00 bis 18:00 Uhr pro Teilnehmer 112,-- Euro an.
Holger Schumacher (rechts) übt Elemente zu Deeskalation von Gewalt am Schulhof Für den Inhalt und die Durchführung des Seminars ist die "WO-DE Sicherheitsschulung" von Holger Schumacher verantwortlich. Schumacher war ehemals Erstansprechpartner für Entführungen und Geiselnahmen bei der Hamburger Polizei und führt nun bundesweit Sicherheitsschulungen durch. Mit seinem Kollegen Andre Engel führte er die Seminarteilnehmer in die Problemstellungen und deren Lösungsmöglichkeiten ein. Der wichtigste Lehrsatz lautete von Beginn an: Der vermiedene Kampf ist der beste Kampf! Wo man bedrohlichen Situationen ausweichen kann, sollte man dies tun. Aber was, wenn das nicht mehr möglich ist? Wo und wie kann man sich Hilfe holen? Und wenn dann niemand da ist? Dann muß man sich wehren! Aber wie erkenne ich wie brenzlig eine Situation ist? Für Schumacher keine Frage. Der Bauch gibt Antwort oder anders formuliert: Wenn der Popo auf Grundeis geht, dann ist die Gefahr da! Wie die Kids nun reagieren sollten, lernten sie schnell und sehr praxisnah. Vortrag und Rollenspiel lösten einander ab. Die Theorie nur hören genügt nicht. Man muß es gemacht haben, die Worte gesagt, die Gesten ausprobiert haben. Man muß es gefühlt haben, wie es ist, wenn man durch eine leere Unterführung gehen muß und jemand kommt einem komisch entgegen. Da kommt es, das Kribbeln im Bauch, die Leere im Gehirn. Jetzt ist keine Zeit mehr um phantasievolle Strategien zu entwickeln. Jetzt muß man wissen was zu tun ist. Wie ist die Situation? Will da nur jemand die Zeit wissen und wie nahe darf er mir dabei kommen? Oder nähert sich der angebliche Stadtbeamte nur unter dem Vorwand einer Umfrage? Was kann ich beantworten, wo langt ein kurzes "Nein", wo fange ich an mich körperlich zur Wehr zu setzen? Alleine im Tunnel - ein Rollenspiel, aber der Streß war echt. Und genau so soll es sein, reagieren die Kinder im Spielstreß richtig, tun sie das auch auf der Straße, im Pausenhof , in der S-Bahn oder im Jugendclub.
André Engel übt den Angriff von hinten. Die Kompetenzen, die sie für eine Konfrontation mit einer Gefahrensituation brauchen, müssen die Jugendlichen einüben. Es beginnt beim "NEIN!"! Vielen fällt es schwer ein klares knappes "Nein!!" als Antwort zu geben, ohne Rechtfertigung und Entschuldigung. Der Abstand und das Abstandhalten zu einem Menschen, dessen Annäherung einem nicht gefällt ist ebenso wichtig zu lernen, wie laute klare Forderungen auszusprechen. "Bleiben SIE stehen! - Lassen SIE mich vorbei!" Verbale Forderung müssen mit Gesten untermauert werden. Hält das einen potentiellen Angreifer nicht ab, muß man sich wehren. "Hundert Angriffe, eine Verteidigung!", so das Motto Schumachers. Und die üben die Kinder immer und immer wieder. Dabei wirkt die Angst dem anderen weh zu tun als absolute Bremse, egal ob Mädchen oder Junge. Aber genau diese Gewaltanwendung im Falle der Notwehr, kann dem Jugendlichen das Leben retten. Und was Notwehr ist, erklärt Schumacher in einer Rechtseinheit ganz genau. So müssen sie durch diese Blockade mit Hilfe der Trainer hindurch. Am Ende setzen sich alle im entscheidenden Moment zur Wehr! Sei es bei der Durchquerung des einsamen Tunnels oder bei einem Angriff von hinten. Nach dem Seminar werden die Kids aber auch wissen, wann es besser ist seine Jacke oder seine Turnschuhe abzugeben.
Ein Angriff mit dem Messer, jetzt gibt man die Jacke besser ab. Ein wichtiger Punkt des Trainings ist aber auch die Frage: Was mache ich wenn ich die Situation gemeistert habe? Wenn meine Jacke weg ist? Wenn ich am Exhibitionisten vorbei bin? Wenn ich das Auto, das mich verfolgt hat, abgehängt habe? Wenn ich aus dem Kampf raus bin und Hilfe da ist? Schumacher legt allen ans Herz Eltern, Lehrer und Polizei zu informieren. Und zwar so bald als möglich! Nur so sind Konsequenzen einzuleiten und wenn es "nur" Aktennotizen (Haarfarbe, Automarke, im Idealfall Kennzeichen, usw.) auf dem Polizeirevier sind. Denn die sind im Wiederholungsfall vielleicht äußerst wichtig. In Schumachers Konzept ist es vorgesehen, dass ein Elternteil und Vertreter des Lehrerkollegiums, sowie Freunde von der zweiten Reihe aus zuschauen können und sollen. Besonders für die Eltern ist wichtig zu sehen, was die Kinder während dieser Zeit an Emotionen durchleben und welche Grenzen sie überwinden. Bei den Kindern entsteht jede Menge Gesprächsbedarf, der so von den Erwachsenen besser bedient werden kann. Emotionen können besser aufgefangen werden, Situationen besser besprochen werden. Außerdem können die Erwachsenen jede Menge dabei lernen. (Ohne Aufpreis!) rsw
Oberstudiendirektorin Barbara Loos staunte mit den Eltern über die Fähigkeiten der Kids Herzlichen Dank an Frau Renate Sanft-Wagner für den Artikel und die Bilder |